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Definition Interkulturelles Training

Allgemein umfasst ein Interkulturelles Training alle Maßnahmen, die darauf abzielen, einen Menschen zur konstruktiven Anpassung, zum sachgerechten Entscheiden und zum effektiven Handeln unter fremdkulturellen Bedingungen und in kulturellen Überschneidungssituationen zu befähigen.

Interkulturelle Trainings werden zur Vorbereitung von Personen auf [bis dato] weitestgehend unbekannte Nationalkulturen genutzt. Diese Trainings dienen dazu, den teilnehmenden Personen [in Fachkreisen auch „Trainees“ genannt] interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass die teilnehmenden Personen im Umgang mit fremden Kulturen problemfreier agieren.

Prinzipiell gibt es vier verschiedene [Haupt-]Typen von Interkulturellen Trainings, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.

KULTURSPEZIFISCH-INFORMATORISCHE TRAININGS

Dieser Trainingstyp ist speziell auf ein bestimmtes Zielland [zum Beispiel auf Japan] zugeschnitten. Neben kulturspezifischen Fallbeispielen [die im Training analysiert werden] hören die Trainees Vorträge über die Geschichte, zum Alltagsgeschehen, zum Berufsleben und zum Wertewandel des jeweiligen Ziellandes. Durch die Bearbeitung von Fallstudien werden die Teilnehmer dabei auf mögliche Situationen, denen sie im Kontakt mit der fremden Kultur selbst einmal gegenüberstehen könnten, vorbereitet. Bei einem kulturspezifisch-informatorischen Training steht vor allem die schnelle Vermittlung von großen Wissensblöcken im Vordergrund. Dabei wird primär auf den Einsatz von Vorträgen und Impulsreferaten gesetzt, der Anteil von interaktiven Methoden ist bei dieser Trainingsform vergleichsweise gering.

Der große Vorteil dieser Trainingsform ist folglich die große Menge an Wissen, die [sehr kompakt] vermittelt wird. Ein Nachteil ist, dass es durch das deskriptive und faktenhistorische Vorgehen sowie die oft praktizierte Reduktion auf Do’s und Dont’s zur Verstärkung von Stereotypen kommen kann. Zudem gilt es anzumerken, dass der starke Vortragscharakter dieser Trainingsmethode einen geringeren Lerneffekt vermuten lässt.

KULTURÜBERGREIFEND-INFORMATORISCHE TRAININGS

Diese Form eines Interkulturellen Trainings ist nicht auf ein spezielles Zielland zugeschnitten, vielmehr wird in einer solchen Veranstaltung Wissen vermittelt, das zum erfolgreichen Umgang mit sehr vielen Zielkulturen befähigt. So werden den Teilnehmern Theorien [zum Beispiel zu Kulturanthropologie oder kulturvergleichender Psychologie] nahe gebracht, mit denen man sämtliche Länder dieser Erde auf gewisse Skalen/Dimensionen vergleichen kann. Sofern die Teilnehmer in einem solchen Interkulturelles Training effektiv in die Anwendung dieser Skalen eingeführt werden, können sie ihre interkulturelle Kompetenz mittels des so erlangten Wissens auch ohne ein kulturspezifisches Training effektiv steigern.

Ein positiver Aspekt dieses Trainingstyps ist der hohe kognitive Lerneffekt in Bezug auf interkulturelle Kommunikationsprozesse, der durch diese Methode erzielt wird. Außerdem können die Teilnehmer mittels dieses Trainingsansatzes eine Grundsensibilisierung für sehr viele [wenn nicht sogar alle] Zielländer erreichen. Negativ zu bewerten ist, dass dieser Ansatz sehr theoretisch ist und von den Teilnehmern häufig als zu abstrakt bezeichnet wird. Dieser Umstand wird durch den vergleichsweise geringen Anteil von interaktiven Mitteln noch verstärkt.

Laut Definition gibt es 4 Formen von Interkulturellen Trainings.

KULTURSPEZIFISCH-INTERAKTIONSORIENTIERTE TRAININGS

Ein kulturspezifisch-interaktionsorientiertes Interkulturelles Training ist immer auf ein bestimmtes Zielland [zum Beispiel Japan] zugeschnitten. Neben der obligatorischen Informationsvermittlung durch Vorträge wird das zu vermittelnde Wissen vor allem durch interaktive Methoden wie Rollenspiele, Simulationen, Übungen, Critical Incidents, Videos oder Hörbeispiele vermittelt. Ein positiver Aspekt dieser Trainingsform ist, dass die Teilnehmer auf diese Weise semiauthentische Erfahrungen im interkulturellen Handeln gewinnen. Zudem gilt es zu erwähnen, dass ein interaktionsorientiertes interkulturelles Training [nach Ansicht des Autors] allein durch den hohen Anteil von interaktiven Elementen einen wesentlich höheren Lerneffekt bedingt, als dies bei einem informatorisch geprägten Trainingskonzept [siehe oben] der Fall wäre. Einen negativen Aspekt dieser Trainingsform markiert der Umstand, dass in der Regel kaum kulturallgemeine Kenntnisse vermittelt werden und dass somit die Gefahr von Stereotypisierung stärker gegeben ist.

KULTURÜBERGREIFEND-INTERAKTIONSORIENTIERTE TRAININGS

Diese Form eines Interkulturellen Trainings, welches auch als Intercultural Awareness Training bezeichnet wird, ist mehr ein Interkultureller Workshop, der nicht auf ein bestimmtes Zielland zugeschnitten ist. Ähnlich wie bei den bereits beschriebenen kulturübergreifend-informatorischen Trainings [siehe oben] werden hier Ideen, Theorien und Konzepte vermittelt, die auf viele [wenn nicht sogar auf alle] Kulturen dieser Welt angewendet werden können. Der Hauptbestandteil dieses Interkulturellen Trainings sind interaktive Elemente wie Rollenspiele, Simulationen, Übungen, Critical Incidents4, Videos oder Hörbeispiele.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass hier der erhöhte Lerneffekt eines interaktionsorientierten Trainings zu einem wesentlich besseren Lerneffekt beiträgt. Von Nachteil ist, dass die oftmals fiktiven Simulationen und Rollenspiele von den Teilnehmern unter Umständen nicht ernst genommen werden.

LITERATURVERZEICHNIS

  • DGFP e.V. [Hrsg.] [2004]: Interkulturelle Managementsituationen in der Praxis. Kommentierte Fallbeispiele für Führungskräfte und Personalmanager, Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag GmbH + Co. KG
  • Hecht-El Minshawi [2003]: Interkulturelle Kompetenz - For a Better Understanding. Schlüsselfaktoren für internationale Zusammenarbeit, Weinheim: Beltz Verlagsgruppe
  • Kohls, L. Robert/John M. Knight [1994]: Developing Intercultural Awareness - A Cross-Cultural Training Handbook, 2. Auflage, Maine: Intercultural Press, Inc.
kulturspezifisch-interaktionsorientierte Trainings
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